Als ein Glücksgriff … (12. November)

… erwies sich die Wahl meiner letzten Unterkunft auf Yakushima, in Hirauchi an der Südküste der Insel gelegen. Die Pension Blue Drop wird von der charmanten Yuki zusammen mit ihrem Mann in einer wunderbar familiären Atmosphäre geführt. Kurz nach der Ankunft mache ich in ihrem Gästeatlas einen Kringel um Dresden, da bin ich wohl der erste, wobei es auf der Deutschlandkarte schon etwa 15 Markierungen gibt, Berlin, Hamburg, Nürnberg, …

Nachdem ich mit Yuki meine Pläne besprochen hab, reserviert sie mir telefonisch bei einem benachbarten Gästehaus ein Fahrrad, denn nach dem Müßiggang der letzten beiden Tage spüre ich Tatendrang. Gegen acht am Morgen geht es los, das bestellte Lunchpaket ist schnell verstaut. Das Ziel ist ein entlegenes Gebiet an der Westküste, welches per Bus nicht erreichbar ist. Hier finden sich keine Siedlungen, sondern die Schutzzone des Nationalparks reicht bis an die Küste, hier sollen sich Makaken und Yakushimahirsche tummeln.

Die erste Hälfte der Strecke führt noch durch bewohntes Gebiet. Hier entdecke ich ein in Japan seltens Beispiel individueller architektonischer Extravanganz:

futuristisches Anwesen an der Südküste Yakushimas

futuristisches Anwesen an der Südküste Yakushimas

In Nakama steht der größte Banyan Yakushimas. Bayans sind interessante Gewächse, mit riesigen Luftwurzeln, näheres zur Lebensweise dieses Baumes hier.

Banyan in Nakama

Banyan in Nakama

Im Vergleich zu meinem Fahrrad werden die Ausmaße des Baumes vielleicht noch etwas deutlicher …

Banyan - Größenvergleich

Banyan – Größenvergleich

… hier sieht man aber nur einen kleinen Teil der Wurzeln.

An vielen Stellen der Küste liegen gewaltige Betonteile, Tetrapoden, Hexapoden und wie sie alle heißen, herum und geben ein manchmal irritierendes Bild ab, aber als Wellenbrecher zum Küsten- und Hafenschutz sind sie wohl unverzichtbar.

Küstenschutz

Küstenschutz in Beton, 50t das Stück

Ich komme an einer ihrer Geburtsstätten vorbei – hier wird auch am Wochenende gearbeitet.

Betonteilproduktion in Kurio

Betonteilproduktion in Kurio

Die Teile werden in riesigen zerlegbaren Formen aus Stahlplatten gegossen, rechts im Bild wird gerade so ein Teil aus der Form gepellt wird. Mit Hilfe eines Baggers werden die einzelnen Teile der Form entfernt und dank des unerschrockenen Arbeiters bekommt eine Ahnung von den Größenverhältnissen.

Nächster Haltepunkt ist Kurio-Beach. Hier treffe ich einen Taucher, der seine Eisbox öffnet und mir stolz seinen harpunierten Fang präsentiert …

'very delicious fish'

‚very delicious fish‘

… und sich bald darauf anschickt samt Schnorchel, Taucherbrille und Harpune in der Bucht zu verschwinden. Er heißt mich vorher noch ‚herzlich willkommen‘ – auf deutsch, dann geht es aber auf englisch weiter.

Kurio-Beach

Kurio-Beach

Mit den Ablenkungen ab Wegesrand habe ich mittlerweile einiges an Zeit ‚vertrödelt‘, so beschließe ich, die Besichtigung des höchsten Wasserfalls der Insel, der unweit des Weges liegt, auf den Rückweg zu verschieben.

Mittlerweile ist es halb zwölf und nach gut drei Stunden Radelei kommt Hunger auf. Ich bin auf das Lunchpaket gespannt und da es so liebevoll in ein Bananenblatt gewickelt ist, wird es vor dem Verzehr auf einem Brückengeländer platziert und  mit Teilen des Oko-no-taki als Hintergrund fotografiert.

mein Lunchpaket vorm Oko-no-taki

mein Lunchpaket vorm Oko-no-taki

Eine Aktion, die mir beim Zeigen der Bilder fragende bis missbilligende Blicke Yukis einbringt, die den möglichen Absturz ihres Paketes fürchtet. Falls sich der Leser nun fragt was in so einem japanischen Lunchpaket drin ist … voila …

der Inhalt Yukis Lunschpaketes

der Inhalt Yukis Lunschpaketes

… hat sehr gemundet.

Von hier aus geht es noch ein paar Kilometer in hügligem Terrain …

Yakushima Westküste

Yakushima Westküste

bevor es mit Beginn der eigentlichen Schutzzone in Richtung des Seibu-Rindu West Forrest Trails nur noch bergan geht, bis auf über 350m.

Yakushima Westküste

Yakushima Westküste

Und wo sind nun die Tiere?

Die kommen jetzt, die Makaken am Seibu-Rindu West Forrest Trail sind wirklich überall, auf dem Weg und in den Bäumen …

Aug in Aug

Aug in Aug

 

… und neugierig an meinem Rad …

… den Versuch meiner Teevorräte habhaft zu werden, muss ich leider unterbinden. Etwas scheuer sind die kleinen Yakushima-Hirsche, schließlich gelingt mir doch noch ein brauchbares Bild.

Yakushima-Hirsch

Yakushima-Hirsch

Nach anderthalb Stunden des Beobachtens und Fotografierens, setze ich mich aufs Rad und rolle talwärts. Für einen Abstecher zum Oko-no-taki …

Oko-no-taki

Oko-no-taki

reicht die Zeit auch noch. 75 Meter Fallhöhe und trotz oder gerade wegen der aufgrund der Trockenzeit nicht überbordenden Wassermassen hübsch anzusehen.

Nach meiner Rückkehr von der 60km-Tour voller Eindrücke, ist erstmal das eine und andere Feierabendbier fällig, bei lauschigen 18° Nachttemperatur und beim immerwährenden Zirpen der Grillen klingt ein äußerst gelungener Tag aus.

 

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Ein Gedanke zu “Als ein Glücksgriff … (12. November)

  1. Eine Fahrradtour!
    Mit Architektur, Land und Leuten; das sieht so toll aus! Würde am liebsten sofort mitkommen 🙂
    Eine kleines Highlight für mich als Leser; ich hätte nie erwartet, dass Du dort eine Fahrradtour machst!

    Und das Fahrrad sieht sehr sportlich, jung und dynamisch aus. Gibt es auch Fotos von Dir auf dem Fahrrad? Sport frei!

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