Die Einreise … (22. September)

… gelang problemlos, nachdem ich dem freundlichen Zöllner alle Fragen zur vollsten Zufriedenheit beantworten konnte. Die Färöer sind, obwohl Teil des dänischen Reiches, nicht Mitglied der EU, wohl zuallererst wegen ihrer Fischereiinteressen, die 95% der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Der Morgen graute und das Wetter hatte in den erwarteten ‚Färöer-Modus‘ gewechselt, tief hängende Wolken, Wind & Nieselregen. Während die Bustouristen noch an Bord der Norröna frühstückten, machte ich mich auf, deren Ausflugsziel vor ihnen zu erkunden. Das Örtchen Kirkjubøur, nahe der Südspitze der Hauptinsel Streymoy war im Mittelalter Bischofssitz; gleichzeitig steht hier das älteste dauerhaft bewohnte Haus auf den Färöern, bzw. in ganz Europa. – Zu so früher Stunde allein vor Ort, nutze ich die Gelegenheit und trete ein, denn ein Teil des Hauses, die Roykstova (Rauchstube, wegen des offenen Feuers) kann besichtigt werden.

Roykstova in Kirkjubøur

Roykstova in Kirkjubøur

Man beachte die Wahlwirbel, die als Sitzgelegenheit Verwendung fanden.

Kirkjubøargarður und Kirkjubømúrurin

Kirkjubøargarður und Kirkjubømúrurin

Gleich hinter dem Kirkjubøargarður stehen die Mauern der nie vollendeten Magnuskathedrale, deren Bau um 1300 begonnen wurde. Mit rund 25 x 10 Metern Grundfläche zwar nicht von der Dimension, die der Festlandseuropäer mit dem Begriff Kathedrale verbindet, aber die Maße sollten in Beziehung zu den etwa 4000 Einwohnern, die damals über die Inseln verteilt lebten, gesehen werden. Der Bau musste neben dem täglichen Kampf ums Überleben finanziert und realisiert werden und als eines Tages Bischof Erlendur den Bogen überspannte, kam es zum Aufstand, der mit der Vertreibung des eifrigen Gottesdieners endete. Die folgende Pestepedemie raffte um 1350 die Hälfte der färöer Bevölkerung dahin und der Bau des Doms wurde nicht wieder aufgenommen.

Auf dem Rückweg fahre ich etwas oberhalb von Torshavn, der Färöer Hauptstadt, vorbei und registriere den sich abzeichnenden Wetterumschwung – wenn die Zeichen nur nicht trügen!

Torshavn

Torshavn – Blick auf die Norröna im Hafen

Der Versuch das Einkaufszentrum zu finden, beschäftigt mich eine Weile, einige Male bin ich wohl daran vorbei gefahren, denn von außen ist es einfach nicht als solches zu erkennen, keine Werbung, kein Hinweis, nichts. Immerhin lerne ich so schon ein paar Straßenzüge kennen und dass dieser Gewinn nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, stellt sich in dem Moment heraus, als mir die Angestellte der Buchhandlung mit großem Bedauern mitteilt, dass das von mir gewünschte Kartenmaterial leider nicht vorrätig sei. Tja, die Besuchssaison ist vorüber und die Einheimischen kennen ihre Inseln wohl gut genug, der Bedarf an Karten wird also erst im kommenden Frühsommer wieder empor schnellen. – Bei mir allerdings ist der Bedarf immens, denn der Versuch auf der gewünschten Strecke aus der Stadt und in Richtung meines Zieles für den Nachmittag zu kommen, will auch in mehreren Anläufen nicht gelingen. In leicht gereizter Stimmung mahne ich mich selbst zur Gelassenheit und siehe da, die letzte der möglichen Varianten führt doch noch in die richtige Richtung, gänzlich unausgeschildert, die ehemalige Hauptstraße, deren Verlauf man aber vor ein paar Jahren geändert hat – jetzt Tunnel statt Berg, ich wollte aber Berg, Tunnelfahrten wird es noch genug geben.

Etwa 10 Berge und einen Tunnel, nämlich den zur westlichen Nachbarinsel Vágar hat das Wetter tatsächlich in den Modus ‚traumhaft‘ gewechselt und ich konnte mir diese Postkartenaufnahme der Kirche in Sandavágur nicht verkneifen. Nahezu jeder Ort auf den Färöern hegt und pflegt seine Kirche, der überwiegend evangelisch-lutherische Glaube hat hier einen sehr hohen Stellenwert.

Kirche in Sandavágur

Kirche in Sandavágur

Mindestens ebenso hoch ist der Stellenwert des Fußballs auf den Färöern, gleich gegenüber befindet sich ein Kunstrasenplatz, in einer Ortschaft von 875 Einwohnern, vielleicht liegt das ja an Torkil Nielsen

Fußball in Sandavágur

Fußball in Sandavágur

Bevor das Wetter wieder umschlägt beeile ich mich ins Gásadalur zu gelangen. Die gleichnamige Ortschaft mit 15 Einwohnern ist erst seit 10 über einen einspurigen Tunnel ans Straßennetz angebunden, vorher fand die Versorgung per Hubschrauber statt, alternativ blieb die Möglichkeit zu Fuß einem alten Postweg über die Berge zu folgen.

Gásadalur

Gásadalur

Die Wanderung entlang der Steilküste bei feinstem Wetter (Sonne, Wind 12°C) ist reiner Genuß, gehen, stehen, schauen, staunen, ob über die grandiose Szenerie oder über das unverhoffte Wetterglück – egal, sollte es von Stund an regnen, es hätte sich doch gelohnt.

Von der wolkenverhangenen Bergspitze bis ins Meer sind es gut 700m. Auf dem Rückweg wird erneut besagter einspuriger Tunnel passiert.

im Tunnel zwischen Gásadalur und Bøur

im Tunnel zwischen Gásadalur und Bøur

Auf dem Rückweg mache ich Station in Bøur und arbeite mich mehrere Stunden fotografisch an einer der faszinierendsten Küstenansichten der Färöer ab.

Tindhólmur, Gáshólmur und Draganir

Tindhólmur, Gáshólmur und Draganir

gefahren: 164km, durchfahrene Tunnel: 7, gelaufen: 7km

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